Ältere Frau umarmt jüngere Frau
Bild: Pexels von Jsme Mila

Diakonie und nebenan.de: Ein Pilotprojekt gegen Einsamkeit


Wie kann Nachbarschaft helfen, Einsamkeit zu reduzieren? Ein Pilotprojekt von Diakonie Deutschland und nebenan.de zeigt, wie digitale Vernetzung freiwilliges Engagement fördert und pflegebedürftige Menschen zusammenbringt.

Soziale Kontakte kommen im Pflegealltag zu kurz

Gespräche, Spaziergänge oder einfach etwas Gesellschaft: Für viele pflege- und betreuungsbedürftige Menschen sind solche sozialen Momente besonders wertvoll. Doch gerade das lässt sich im Pflegealltag nicht immer leicht organisieren.

Viele Pflegekräfte arbeiten bereits heute unter großem Zeitdruck. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Unterstützung weiter. Laut Prognosen des Statistischen Bundesamts könnten bis zum Jahr 2049 zwischen 280.000 und 690.000 zusätzliche Pflegekräfte fehlen.

Genau hier setzt das Pilotprojekt „Von einsam zu gemeinsam“ an, das nebenan.de gemeinsam mit Diakonie Deutschland gestartet hat.

Wie Nachbarschaft und Pflege zusammenfinden

Im Projekt „Von einsam zu gemeinsam“ wird erprobt, wie digitale Nachbarschaftsvernetzung helfen kann,

  • Einsamkeit bei pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen zu reduzieren

  • ehrenamtliches Engagement niedrigschwellig zu fördern

  • professionelle ambulante Pflegedienste punktuell zu entlasten

Die Idee dahinter: In vielen Nachbarschaften gibt es Menschen, die sich gern engagieren möchten – oft fehlt jedoch der passende Kontakt. Digitale Plattformen wie nebenan.de können dabei helfen, Bedarfe sichtbar zu machen und Menschen aus der Nachbarschaft miteinander zu verbinden.

Das Pilotprojekt auf einen Blick

  • Projektstart: 2025

  • Partner: Diakonie Deutschland und nebenan.de
    Projektorte: Stuttgart, Hannover, Berlin, Dortmund und Hamburg

  • Ziel: Menschen mit Unterstützungsbedarf und engagierte Nachbar:innen zusammenbringen

  • Unterstützung im Alltag (keine pflegerische oder haushaltsnahe Tätigkeiten), z. B.: Gespräche und Gesellschaft, Spaziergänge oder Begleitungen, gemeinsame Freizeit, technische Hilfe

Erste Erfahrungen aus der Nachbarschaft

Im Rahmen des Projekts wurden bisher rund 100 Beiträge bei nebenan.de veröffentlicht, um Unterstützungsbedarfe sichtbar zu machen. Viele dieser Beiträge erhielten Reaktionen aus der Nachbarschaft – etwa Kommentare oder Likes. In einigen Fällen kam es auch zu direkten Kontakten zwischen Nachbar:innen.

So entstanden bis Mitte 2025 rund 20 Matchings zwischen freiwilligen Helfenden und Menschen, die Unterstützung suchen. Einige dieser Kontakte haben sich bereits zu regelmäßigen Unterstützungen entwickelt, andere werden noch aufgebaut oder befinden sich in einer ersten Kennenlernphase.

Auch gemeinschaftliche Aktivitäten entstehen aus den Kontakten im Quartier. So organisierte ein Anbieter aus dem Projektumfeld einen Spaziergang am Berliner Weißensee, an dem mehrere Menschen aus der Nachbarschaft teilnahmen. Einige von ihnen kamen dabei erstmals ins Gespräch und ließen den Spaziergang anschließend noch gemeinsam bei einem Kaffee ausklingen. 

Eine weitere Erfahrung aus dem Projekt: Wenn Träger regelmäßig Beiträge veröffentlichen und aktiv auf der Plattform sind, steigt die Resonanz aus der Nachbarschaft deutlich.

Was sich aus dem Pilotprojekt lernen lässt

Auch wenn die Pilotphase noch läuft, lassen sich bereits erste Erkenntnisse festhalten. Nachbarschaftliches Engagement kann professionelle Pflege sinnvoll ergänzen, besonders wenn es um soziale Kontakte und Teilhabe geht.

Außerdem zeigt sich: Matchings funktionieren besonders gut, wenn Menschen gemeinsame Interessen haben. Auch die Struktur von nebenan.de unterstützt die Kontaktaufnahme. Die lokale Ausrichtung, Klarnamen und die begrenzte Reichweite innerhalb der Nachbarschaft können Vertrauen fördern.

Besonders gut funktionieren solche Initiativen dort, wo bereits Quartiersarbeit oder Beratungsstrukturen vorhanden sind.

Nachbarschaft als Ergänzung zur Pflege

Die bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt machen deutlich: Wo Nachbarschaft eingebunden wird, kann zusätzliche Nähe entstehen.

Nachbarschaftliches Engagement ersetzt professionelle Pflege nicht. Es kann sie jedoch sinnvoll ergänzen – vor allem dort, wo es um Gespräche, gemeinsame Zeit und soziale Teilhabe geht.

Die langfristigen Wirkungen des Projekts werden derzeit noch ausgewertet. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass digitale Nachbarschaftsvernetzung neue Möglichkeiten schaffen kann, Menschen miteinander zu verbinden.


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Tags Created with Sketch. Diakonie Pflegenotstand
Ria Schmidt | nebenan.de

Ria arbeitet seit 2024 im Content Team von nebenan.de. Für sie bedeutet Nachbarschaft, die lokalen Läden zu unterstützen und für die Menschen im Kiez da zu sein.