Nachbarin bringt älterem Nachbarn Einkäufe vorbei.
Bild: KI-generiert

Einkaufshilfe im Alter: Julias Geschichte aus Berlin-Neukölln


Als das Café um die Ecke schloss, drohte die Einkaufshilfe für einen 80-jährigen Nachbarn zu enden. Julia blieb dran – und erzählt, wie aus einer spontanen Nachbarschaftsaktion eine feste Unterstützung wurde.

Ein Café, ein Nachbar, ein fester Donnerstagstermin

Als Julia in ihre neue Straße in Berlin-Neukölln zog, gab es das Café „Lonely Hearts" schon seit Jahren: Jeden Donnerstag trug das Team die Einkäufe eines 80-jährigen Nachbarn hoch. Weil die Aufgabe an manchen Tagen zu viel wurde, suchten sie über nebenan.de nach Unterstützung.

Julia meldete sich. „Das war ein richtig schönes nachbarschaftliches Projekt", erzählt sie. Es entstand eine WhatsApp-Gruppe zwischen dem Café, ihr und ein bis zwei weiteren Nachbar:innen. Man sprach sich ab, half abwechselnd – und der Nachbar bekam seine Einkäufe zuverlässig nach Hause. Dafür gab es vom Café etwas aufs Haus.

Als das Café schloss, blieb die Verbindung

Irgendwann schloss „Lonely Hearts", und mit dem Café schlief auch die WhatsApp-Gruppe langsam ein. Der Nachbar organisierte sich teilweise anders. Doch der Kontakt zu Julia riss nicht ab: Wenn er etwas brauchte, meldete er sich einfach.

Erst in diesem Sommer wurde daraus wieder etwas Regelmäßiges. Die Hitze machte ihm zunehmend zu schaffen. „Er konnte seinen Einkauf nicht mehr allein machen, geschweige denn in den dritten Stock tragen", sagt Julia. Also half sie öfter.

Wie viel Hilfe ist genug?

Der Ablauf hat sich eingespielt, ganz ohne große Absprache im Voraus: Er ruft an und sagt, was er braucht. Die Preise hat er dabei genau im Kopf und nennt die Produkte in der Reihenfolge, in der Julia sie im Laden findet.

Am meisten beschäftigt hat Julia die Frage, wie viel Hilfe gerade richtig ist: „Ich merke schon, dass ich abwägen muss, wie viel Hilfe ich anbieten kann." Ist es zum Beispiel eine Ausnahmewoche, in der ihre Hilfe öfter gebraucht wird? Oder braucht es eine andere Lösung? Etwa eine „Urlaubsvertretung", wenn Julia selbst verreist und gerade heiße Tage bevorstehen. Und wann reicht punktuelle Hilfe nicht mehr aus? Dann braucht es vielleicht etwas Strukturelles – zum Beispiel einen Antrag auf einen Pflegegrad.„Es ist ein ständiges Abwägen, weil sich Situationen auf allen Seiten verändern können", sagt Julia.

Berührt hat sie dabei etwas anderes: der Optimismus ihres Nachbarn. „Wie viel Optimismus eine Person, die wirklich jeden Cent zweimal umdrehen muss, an den Tag legen kann – da mag ich mir ab und zu eine Scheibe von abschneiden." Und obwohl – oder gerade weil – jeder Euro zählt, steht auf jeder Einkaufsliste ein Bund Blumen.

Was gute Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen ausmacht

Für Julia funktioniert Nachbarschaftshilfe am besten, wenn sie auf mehrere Schultern verteilt ist. „Wenn man gemeinsam Freude und Verbindung mit allen Beteiligten aus der Hilfe schöpft. Wenn sie weniger Pflicht ist, weil es mehrere Netze gibt." Ganz einfach ist das nicht, sagt sie – denn sobald sich etwas ändert, muss sich die Gruppe neu organisieren. Genau dafür hält sie nebenan.de für eine gute Plattform.

Wichtig ist ihr auch: Wie viele Menschen jemand um Hilfe bittet und wie er kommuniziert, ist von Person zu Person verschieden.

Ein Rat für alle, die selbst anfangen möchten

Wer sich für Senior:innen in der Nachbarschaft engagieren möchte, aber nicht weiß, wo er anfangen soll, dem rät Julia: Erst abstecken, wie viel Zeit und Energie sich gut anfühlt. Dann das Unterstützungsangebot zum Beispiel bei nebenan.de anbieten – und je nach Bedarf eine kleine Taskforce bilden, die sich die Aufgabe teilt.

„Ich fände es schön, wenn sich weniger Menschen in unserem direkten Umfeld einsam und allein fühlen", sagt Julia. Ein einziger Anruf, eine Einkaufsliste, ein Bund Blumen – manchmal ist genau das der Anfang.


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TagsCreated with Sketch. Seniorenhilfe
Ria Schmidt | nebenan.de

Ria arbeitet seit 2024 im Content Team von nebenan.de. Für sie bedeutet Nachbarschaft, die lokalen Läden zu unterstützen und für die Menschen im Kiez da zu sein.