Zwei Omas, die fehlten
Lara ist vor einigen Monaten mit ihrer Familie nach Zehlendorf gezogen. Zurückgelassen hat sie dabei zwei besondere Freundschaften: ihre beiden „Omas", 85 und 92 Jahre alt. Etwa alle zwei Wochen hatten sie sich zu Kaffee, Tee und Kuchen getroffen – mal im Café, mal bei einer von ihnen zu Hause. „Diese Treffen fehlen mir sehr", schreibt Lara.
Eine der beiden, Margaret, hat sie im Aufzug kennengelernt. „Nach nur fünf Minuten Gespräch hatten wir uns schon zum Kaffee verabredet", erzählt Lara. „Bei unserem ersten Treffen haben wir dann drei Stunden lang ohne Punkt und Komma geredet. Ich hatte selten mit jemandem eine so unmittelbare Verbindung."
Was aus einer einzigen Frage entstehen kann
Da Lara nicht auf einen ähnlichen Austausch verzichten wollte, fragte sie bei nebenan.de einfach in die Runde, ob jemand einen Ort kennt, an dem sich Frauen verschiedener Generationen treffen, oder selbst Lust darauf haben.
Mit der Reaktion hatte sie nicht gerechnet: „In weniger als einer Woche haben mir 41 Frauen geschrieben. Ich hatte ursprünglich nach ein paar Omis gesucht, mit so einem Echo hatte ich nicht gerechnet." Sie gründete daraufhin bei nebenan.de die Gruppe „Generationsübergreifende Frauengruppe", die inzwischen knapp 140 Mitglieder zählt. Zum ersten, offenen Kennenlerntreffen kamen rund 25 Frauen.
Der Wunsch nach echtem Austausch
Auffällig war für Lara vor allem, wie generationenübergreifend die Rückmeldungen waren. „Der Wunsch nach echtem Austausch ist da, und zwar generationenübergreifend", sagt sie. Die Gründe sieht sie vielfältig: Jüngere Frauen ziehen um und müssen sich neu orientieren. Bei älteren Frauen verändert sich die Lebenssituation oft durch den Verlust des Partners oder eine Trennung.
Als Wissenschaftlerin ordnet Lara das auch gesellschaftlich ein: „Einerseits erleben wir eine zunehmende Vereinzelung, andererseits bietet uns gerade das Internet neue Möglichkeiten, uns zu vernetzen." Gleichzeitig sind viele im Alltag – im Bus, an der Bushaltestelle, beim Arzt – in ihr Handy vertieft. Der spontane Austausch, der früher selbstverständlich war, fällt dadurch schwerer.
„Vielleicht ist die große Resonanz auf meinen Beitrag auch ein kleines Zeichen dafür, dass viele Menschen sich genau diesen unkomplizierten, direkten Kontakt zurückwünschen", vermutet sie.
Tiefe statt Größe
Bei aller Freude über die Rückmeldungen ist Lara auch klar, was sie sich nicht wünscht: eine große, unpersönliche Runde. „Ich bin nicht auf der Suche nach einer Austauschrunde mit 20 Personen, in denen immer nur eine Person sprechen kann. Dort können tiefere Gespräche und echte Verbindungen nur schwer entstehen."
Trotzdem hält sie große Kennenlerntreffen für wichtig, um überhaupt neue Menschen zusammenzubringen. Ihr Wunsch für die Zukunft: dass sich daraus mit der Zeit kleinere „Kaffeeklatsch-Grüppchen" bilden – rund um gemeinsame Themen, Werte oder Lebensphasen. So kann aus einem ersten Kennenlernen etwas Nachhaltigeres wachsen.
Eine Sache sucht die Gruppe aber noch: einen passenden Ort. „Für unsere größeren Kennenlerntreffen sind wir tatsächlich noch auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten", sagt Lara. Ideal wäre ein Café im Umkreis von Berlin-Zehlendorf, wochentags zwischen 17 und 19 Uhr – und möglichst ruhig, damit sich auch die älteren Teilnehmerinnen gut unterhalten können.
💡 Wohnst du in Zehlendorf und kennst einen passenden Ort? Dann kannst du der Gruppe „Generationsübergreifende Frauengruppe" beitreten und dich melden – sichtbar ist die Gruppe nur für Nachbar:innen aus der gleichen Nachbarschaft.
Ihr Rat: machen statt abwägen
Wer selbst eine Initiative bei nebenan.de starten möchte, bekommt von Lara einen klaren Rat: „Weniger überdenken und beobachten, mehr machen und ausprobieren. Genau daraus entstehen neue Kontakte, neue Verbindungen und neue Freundschaften."
Auch du vermisst einen bestimmten Austausch in deiner Nachbarschaft? Oft reicht ein einziger Beitrag bei nebenan.de, um herauszufinden, wer sich genau das Gleiche wünscht.
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