Bild: Mein Ickern e.V.

„Ickerner Bürgerpicknick“ aus dem Ruhrgebiet ist Sieger der Herzen beim Nachbarschaftspreis


Über 2.500 Stimmen sammelte der Verein „Mein Ickern“ aus Castrop-Rauxel beim Online-Voting für den Publikumspreis. Warum ihm der Preis so viel bedeutet, erzählt Marc Frese von „Mein Ickern e.V.“ im Interview.

Marc von "Mein Ickern" (Bild: Mein Ickern e.V.)​
Marc von "Mein Ickern" (Bild: Mein Ickern e.V.)​

Marc Frese ist seit der Gründung vor fünf Jahren Vereinsvorsitzender von „Mein Ickern e.V.“

Seitdem ist der Verein von 50 auf 200 Mitglieder angewachsen und bringt die Nachbarschaft des Stadtteils Ickern in Castrop-Brauxel durch zahlreiche Aktionen näher zusammen.

Für sein Engagement und das jährliche „Ickerner Bürgerpicknick“ erhält der Verein nun den mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis des Deutschen Nachbarschaftspreis 2018.

Herr Frese, Sie haben gerade Bescheid bekommen, dass „Mein Ickern“ den Publikumspreis gewonnen hat. Wie ist die Stimmung bei Ihnen vor Ort?

Wir sind natürlich alle völlig begeistert, dass es tatsächlich geklappt hat. Bei der Bewerbung konnten wir ja gar nicht absehen, wie groß unsere Chancen sind. Dass wir es unter die Finalisten aus Nordrhein-Westfalen geschafft haben, war schon toll. Dass wir jetzt sogar den Publikumspreis nach Ickern holen, ist eine tolle Motivation und Bestätigung unserer Arbeit!

Warum engagieren Sie sich im Verein „Mein Ickern e.V.“?

Die Idee, die hinter dem Verein steht, hat mich von Anfang an begeistert. Etwas direkt vor der Haustür zu verändern und die Leute wieder miteinander in Kontakt zu bringen, macht mir sehr großen Spaß. Früher, zu Hochzeiten des Bergbaus hier im Ruhrpott, war Ickern ein florierendes Viertel, wir hatten zum Beispiel jede Menge Kneipen hier.

Aber mit dem Wegfall der Industrie sind viele Orte der Begegnung weggefallen. Jetzt gibt es nur noch eine Kneipe. Aber durch unsere Vereinsarbeit schaffen wir es, immer neue Anlässe zu finden, dass sich die Leute hier begegnen und sich austauschen. Mittlerweile sind wir wieder so gut vernetzt, dass ich am Wochenende gar nicht über den Markt gehen kann, ohne alle paar Meter mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

Ein Anlass für mehr Begegnung ist das Ickerner Bürgerpicknick?

Genau. Beim Ickerner Bürgerpicknick bringen wir rund 800 Ickerner zusammen. Am kommenden Freitag ist die Auftaktveranstaltung, für die wir eine große Bühne aufbauen, wo u.a. auch das Westfälische Landestheater auftreten wird.

Wir wollen alle mit einbeziehen und fordern die Ickerner dazu auf, nicht nur das Programm zu konsumieren, sondern sich aktiv mit einzubringen. Jeder soll seine eigene „Ausrüstung“ mitbringen, also am besten einen Bollerwagen voll Sachen, die sie gerne bei ihrem Picknick dabei haben wollen. Da ist mittlerweile fast schon ein kleiner Wettbewerb draus geworden, mit was die Leute alles aufwarten... 

Bild: Mein Ickern e.V.
(Bild: Mein Ickern e.V.)

„Mein Ickern“ hat rund 200 Mitglieder, von solchen Zahlen können andere Vereine nur träumen. Was ist Ihr Geheimnis?

„Mitmachen“ und „Zuhören“ sind die entscheidenden Zutaten. Wir als Verein geben allen die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen und zu verwirklichen. Ich finde es schön, dass man den persönlichen Kontatk hier so konstruktiv pflegt. Man spinnt gemeinsam Ideen, die den Ort voranbringen, der Verein wählt die besten aus und die verbreiten sich dann wie ein Schneeballsystem.

Wir haben es in den letzten Jahren auch geschafft, sehr gut mit der Stadtverwaltung und den Einzelhändlern zusammenzuarbeiten. Gemeinsam können wir sehr viele Aktionen auf die Beine stellen. Und wenn jemand sieht „Wow, hier passiert ja auch richtig was, wenn ich mitmache“, dann ist das natürlich ein sehr guter Grund, im Verein aktiv zu werden.

Natürlich sind nicht alle Mitglieder gleich aktiv; der „harte Kern“ übernimmt einen Großteil der Organisationsaufgaben. Da ist es wichtig, dass die Aufgaben nach den Interessen verteilt werden und jemand, der sich im Naturschutz einbringen möchte, nicht im Arbeitskreis für soziale Angelegenheiten landet, sondern in dem für Umwelt und Naherholung. Bei uns gibt es fünf verschiedene solche Arbeitskreise, sodass für jeden etwas dabei ist.

Ich freue mich, dass erfolgreiche Ideen dann auch von anderen Stadtteilen und auch Städten übernommen werden und noch mehr Menschen erreichen. Wir helfen uns dann gegenseitig bei der Umsetzung und tauschen Tipps und Ressourcen.

Wie haben Sie es geschafft, die sagenhaften 2.500 Stimmen für den Publikumspreis zu holen?

Als wir von der Nominierung erfahren haben, haben wir zusammengesessen und überlegt: Entweder, wir warten ab und schauen was passiert. Oder: Wir koppeln das Rennen um den Publikumspreis an ein bestimmtes Projekt und motivieren den ganzen Stadtteil. Die Wahl fiel natürlich auf die zweite Option. Also haben wir uns einiges einfallen lassen: 

(Bild: Mein Ickern e.V.)
(Bild: Mein Ickern e.V.)

Wir haben natürlich E-Mail Rundschreiben verschickt, die Lokalpresse informiert und über Social Media dazu aufgerufen, für uns abzustimmen.

Aber dann hat die Grafikerin aus unserem Vorstand einen Aushang-Zettel gestaltet, der für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat: Eine Art Suchanzeige mit dem Bild einer Papageien-Katze mit kleinen Abreiß-Zetteln, auf denen der Link zur Abstimmung stand.

Diese Zettel hingen dann in jedem Geschäft in Ickern und die Leute konnten die Zettelchen abreißen und zu Hause abstimmen.

Dann haben sich noch Freiwillige mit Tablets in die Fußgängerzone von Ickern gestellt und an mehreren Tagen Menschen angesprochen und gefragt, ob sie nicht für den Verein abstimmen wollten. 

Damit wollten wir vor allem weniger Technik-affine Ickerner erreichen. In den Schaufenstern einiger Geschäfte haben wir Bildschirm-Präsentationen durchlaufen lassen, die zum Abstimmen aufriefen. Kurz: Wir haben alles in die Waagschale geworfen, was wir haben! ​

Wofür wollen Sie die 5.000 Euro Preisgeld verwenden? 

(Bild: Mein Ickern e.V.)
(Bild: Mein Ickern e.V.)

Für ein Projekt, das mir persönlich viel bedeutet. Es gibt ein altes Bild aus den 60er Jahren, als Ickern zu Hochzeiten des Bergbaus zur Weihnachtszeit immer unglaublich festlich erleuchtet war. Alle Leute sagen immer zu mir: „Wie schade, dass es das heute nicht mehr gibt!“.

Letztes Jahr haben wir uns dann vorgenommen, wieder etwas von dem alten Glanz zurück zu bringen. Wir haben entlang der Hauptstraße mit vier Lichterketten angefangen und wollen dieses Jahr zu Weihnachten ordentlich nachlegen.

Mit den 5.000 Euro können wir richtig viel erreichen. Und das hat viele der Bürger auch motiviert, für uns abzustimmen.

 Alle freuen sich, wenn der Ort zur Weihnachtszeit zum Strahlen gebracht wird. Da sieht dann wirklich jeder, was Engagement im eigenen Viertel bringt.​

Ihr werdet den Publikumspreis bei der feierlichen Siegerehrung am 5. September in Berlin entgegennehmen. Mit welchen Gefühlen schaut ihr Richtung Preisverleihung?

Erstmal freuen wir uns natürlich. Natürlich ist es schwierig, dass nur zwei Leute fahren können bei einem Vorstand von 10 Leuten. Aber die Wahl fiel schnell auf den ehemaligen Bergmann Mario Pallasch und mich. Wir freuen uns tierisch und sind gespannt auf die anderen, die da sein werden.

Ich bin auch gespannt, die Vorjahressieger kennenzulernen, zum Beispiel die AGORA Köln. Wir versprechen uns von der Preisverleihung eine riesige Motivation für unsere Mitglieder, weil es eine tolle Bestätigung unserer Arbeit im Ortsteil ist und weil der Publikumssieg zeigt, dass es vorwärts geht mit unserer Weihnachtsbeleuchtung. 


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Hannah Kappes | nebenan.de

Hannah Kappes arbeitet seit 2017 im Kommunikationsteam von nebenan.de. Zuvor war sie als Journalistin und Producerin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig.

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