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Radtour für Obdachlose: Stephan versorgt Hilfsbedürftige in Berlin


Dieser Mann sorgt für Wärme in der Winterkälte: Stephan bringt obdachlosen Menschen in Berlin-Wilmersdorf seit zwei Jahren jeden Tag Essen, Trinken und medizinische Versorgung. Rückenwind bekommt er auch von der Nachbarschaft.

Stephans voll beladenes Fahrrad (Bild: privat)
Stephans voll beladenes Fahrrad (Bild: privat)

32 Liter Suppe und 11 Liter Kaffee – das ist die Bilanz einer Radtour, die Stephan an einem Samstagabend Ende Januar durch Berlin-Wilmersdorf macht. Wie jeden Tag hat er Thermoskannen, Schlafsäcke, Lebensmittel und Hygieneartikel auf seinen Fahrradanhänger geladen.

Dann fährt er all jene Orte in der Nachbarschaft ab, an denen es kaum oder wenig städtische Angebote für Obdachlose gibt.

Stephan schenkt heißen Kaffee aus und verteilt warmes Essen. An diesem Samstag gibt es Linsensuppe und Buttermilchkokoskuchen zum Nachtisch.

Alles hausgemacht.

„Ich koche meist Eintöpfe wegen dem hohen Brüheanteil, damit sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. In der Regel koche ich viermal pro Woche, bei noch kälterem Wetter täglich“. 

Häufig leistet Stephan auch medizinische Hilfe vor Ort. Er ist ausgebildeter Rettungsassistent und hat für Notfälle sogar einen Defibrillator im Gepäck.

Auf der letzten Tour musste ich nach Notfallversorgung den Notdienst für eine obdachlose Mutter mit ihrem Baby rufen. Das Baby war völlig ausgekühlt.

Wärme schenken

Seit zwei Jahren fährt Stephan täglich mit seinem Fahrrad eine "FrühstücksTour" und eine „NachttrunkTour“, um obdachlosen Menschen zu helfen. Vor allem denjenigen, die sich selbst kaum noch bewegen können.

„Viele Menschen, denen ich helfe, fallen im Alltag gar nicht auf. Oder sie leben so versteckt, dass es schwer ist, sie zu finden. Neulich konnte ich einen 8-jährigen Jungen, der von anderen obdachlosen Menschen versorgt worden ist, an den Kindernotdienst übergeben.“

Noch zwei weitere Menschen haben dank Stephans Hilfe den Weg aus der Obdachlosigkeit geschafft und leben nun in einer Pflegeeinrichtung: Eine Mutter mit ihrem fünf Monate alten Sohn und ein obdachloser Mann, der einen Schlaganfall erlitten hatte.

Dass sie jetzt ein Dach über dem Kopf haben, gibt Stephan Kraft und motiviert ihn, weiter zu machen – bei Wind und Wetter.

Inspiration aus aller Welt

Stephan hat mit seinem Rad schon viele Länder bereist: Von Berlin ging es nach Kabul, über Serbien, Bulgarien, die Türkei, Iran, Afghanistan, Irak und Syrien. Auf seinen Reisen erlebte er viel Armut und Elend, jedoch gleichzeitig eine bewegende Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.

Seine Erlebnisse haben ihn inspiriert, sich zu Hause zu engagieren:

Meine Reisen haben mich dazu bewegt, all das, was ich unterwegs erlebt und aufgenommen habe, auch hier in unserer Stadt um zusetzten.

Rückenwind aus der Nachbarschaft

Bei der Nachbarschaftsplattform nebenan.de informiert Stephan regelmäßig über seine Radtouren durch den Kiez, gibt Hinweise zum Umgang mit Obdachlosen und postet die Telefonnummer des Kältebusses.

"Mir ist es wichtig, dass ich durch meine Beiträge zeigen kann, wie Menschen einander helfen können. Auch möchte ich Berührungsängste abbauen. Zum Beispiel empfehle ich, dass man obdachlose Menschen fragt, was sie benötigen. Das spart bei Spendern oft sogar Geld, denn meist reicht schon ein Kaffee oder Tee, oder ein paar Worte zu wechseln."

Außerdem schreibt Stephan seinen Nachbarn, wer von den obdachlosen Menschen gerade konkreten Dinge benötigt. Gerade bei obdachlosen Frauen sei es hilfreich, wenn nicht er, sondern eine Nachbarin hinginge und z.B. Hygieneartikel anbietet.

Für sein Engagement erhält er viel Zuspruch bei nebenan.de.

„Ich möchte dir gerne sagen, es berührt mich, Danke! Ich spreche dich an, wenn ich dich sehe. Ich freue mich darauf. Alles Gute von deiner Nachbarin“, schreibt eine. Eine andere Nachbarin:

Hut ab für dein Engagement. Das ist wirklich toll!

Mehrere Nachbarinnen bieten an, Mützen, Handschuhe und eine Bettdecke zu spenden und sie bei Stephan vorbei zu bringen. Eine weitere Nachbarin möchte ihn das nächste Mal auf einer Tour begleiten.

Eine Inspiration für mehr Mitmenschlichkeit ist Stephan für seine Nachbarschaft schon jetzt.

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Willst du Stephan beim Helfen helfen?

Zum Vorkochen des Essens würde Stephan sich sehr über eine regelmäßige Spende in Form einer Kiste Gemüse oder Obst freuen. Wenn du ihn unterstützen willst, melde dich unter magazin@nebenan.de mit dem Betreff "Obdachlosenhilfe".


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Tags Created with Sketch. Hilfsaktion Obdachlosigkeit Berlin
Hannah Kappes | nebenan.de

Hannah Kappes arbeitet seit 2017 im Kommunikationsteam von nebenan.de. Zuvor war sie als Journalistin und Producerin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig.

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