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Kita-Mangel im Kiez bekämpfen: Diese Projekte wollen für mehr Personal sorgen


Deutschlandweit gibt es zu wenige Kita-Plätze und es fehlen unzählige Erzieherinnen und Erzieher. Die Projekte „Zukunft Kita“ und „Kitas im Kiez“ nehmen sich diesem Problem an – und setzen auch auf die Kraft der Nachbarschaft.

Allein in Berlin fehlten zu Jahresbeginn mehr als 1.000 Erzieher und Erzieherinnen, so der Paritätische Wohlfahrtsverband. Laut FAZ könnten nach Hochrechnungen von Forschern bis zum Jahr 2025 bis zu 270.000 neue Erzieher in deutschen Kitas gebraucht werden.

Die Projekte "Kitas im Kiez" und "Zukunft Kita" wollen diesem Problem aktiv entgegenwirken. Sie bieten in zwei Berliner Bezirken eine Berufsorientierung für Wieder- und QuereinsteigerInnen an, die sich für eine Laufbahn als ErzieherInnen interessieren.

Im Interview erzählen die Leiterinnen Laura Benary und Franziska Büttner, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um für mehr qualifiziertes Personal zu sorgen und warum das "Berufsfeld Kita" so erfüllend ist.

Wie wollt ihr mehr Menschen für das Berufsfeld „Kita“ begeistern?

Laura: Viele Menschen haben ein falsches Bild vom Beruf des/der ErzieherIn. Er ist eben nicht nur laut, schlecht bezahlt und anstrengend, sondern auch wahnsinnig erfüllend und bereichernd. Während der individuellen Beratungen und Workshops sprechen wir sehr viel über persönliche Voraussetzungen und die Herausforderungen des Berufsfelds. Wir beziehen Menschen mit ein, die bereits am Projekt teilgenommen haben und von positiven Erfahrungen berichten können.

Franziska: In unseren Projekten geben wir den Teilnehmenden die Chance, durch längere Praxisphasen und eng begleitete Workshops den Kita-Alltag so realistisch wie möglich zu erleben. Wir arbeiten mit über 35 Kitas zusammen, die die Heterogenität der Kitalandschaft extrem gut widerspiegeln. Wir zeigen, wie vielfältig und interessant dieses Feld ist.

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Setzen sich für mehr Personal in Kitas ein: Laura Benary und Franziska Büttner (Bild: wortlaut Sprachwerkstatt)

Eure Projekte richten sich an Wieder- und QuereinsteigerInnen. An wen genau?

Franziska: Erst einmal an alle, die das Berufsfeld "Kita" interessant finden. Die Teilnehmenden sollten über 25 Jahre alt sein, in Berlin wohnen und nichterwerbstätig oder arbeitssuchend sein.

Laura: In unserer bisherigen Arbeit zeigt sich eine extreme Heterogenität. Wir haben Teilnehmenden mit so unterschiedlichen Berufs- und Lebensbiografien z.B. selbstständige Fotograf_innen, Mütter, die lange nicht berufstätig waren, AkademikerInnen, Langzeitarbeitslose und sehr viele männliche Interessenten. Das ist so unglaublich spannend und wertvoll für alle Beteiligten.

Welche Chancen können die Projekte den TeilnehmerInnen bieten?

Franziska: Die Teilnehmenden finden heraus, ob dieses Berufsfeld wirklich etwas für sie ist. Durch einen starken Praxisbezug haben sie die Möglichkeit, ihre Vorstellungen und Erwartungen mit der Realität abzugleichen und dann zu entscheiden, ob sie den langen Weg einer berufsbegleitenden Ausbildung noch einmal auf sich nehmen.

Laura: In „Kitas im Kiez“ bieten wir zusätzlich zu den Vor-Ort-Workshops und den Praxiseinheiten auch eine Online-Variante der Inhalte auf einer Lernplattform an. So können auch Alleinerziehende oder Menschen, die Familienangehörige pflegen, an unserem Projekt teilnehmen. Eine Chatfunktion ermöglicht den direkten Austausch untereinander. So kann Erlebtes direkt besprochen werden und führt nicht zu aufgestauten Berührungsängsten.

Welches Potenzial seht ihr in der Gemeinschaft einer Nachbarschaft?

Franziska: So wie eine Nachbarschaft sich gegenseitig unterstützt und Neuigkeiten weitergibt, ist auch unser Projekt strukturiert. Übrigens gewinnen wir viele Interessenten auf Kiez- und Nachbarschaftsfesten. Dort kann man noch besser und intensiver ins Gespräch kommen als auf großen Jobmessen.

Laura: Auch in Treptow-Köpenick bemühen wir uns um Nachbarschaftseinrichtungen und -feste. Wir kennen das doch alle: Es gibt viel mehr Ehrenamtliche und im Kiez aktive Menschen als man denkt. Sie reden nur ungern über all die tolle Arbeit, die sie da leisten. Darum ist es gar nicht so leicht sie zu finden. Deshalb setzen wir auch auf Nachbarschaftsnetzwerke wie nebenan.de.

Seit kurzem nutzt ihr auch das Organisationsprofil von nebenan.de, um Nachbarn direkt auf eure Arbeit aufmerksam zu machen. Wie sind die ersten Erfahrungen?

Franziska: Wir sind ehrlich gesagt total aufgeregt, weil wir nebenan.de in dieser Form zum ersten Mal nutzen. Privat bin ich seit längerem aktiv.

Laura: Am besten fragt ihr uns in ein oder zwei Monaten noch einmal (lacht).

Gibt es bei den Projekten schon erste Erfolgsgeschichten?

Franziska: Aktuell haben wir im letzten dreiviertel Jahr 12 Personen in eine berufsbegleitende Ausbildung gebracht. Das ist für uns ein riesen Erfolg. Auch unsere „Zukunft Kita – Berufsmesse“ lockte über 200 BesucherInnen an.

Laura: Unsere Teilnehmenden starten gerade erst. Für uns ist aber schon jetzt ein Riesenerfolg, dass bereits 10 Kitas mit uns zusammenarbeiten und Teilnehmende aufnehmen wollen. Unsere Kooperationsliste wird immer länger und wir freuen uns, dass es jetzt richtig losgeht mit ersten inhaltlichen Workshops und Praxiseinsätzen.

Bild: wortlaut Sprachwerkstatt
Umschulung zur Erzieherin? Informationen bei der Berufsmesse "Zukunft Kita" (Bild: wortlaut Sprachwerkstatt)

Die Projekte werden u.a. von der EU und dem Berliner Senat gefördert. Nimmt die Politik das Problem ausreichend ernst?

Franziska: Auf jeden Fall! Nur manchmal sind die bürokratischen Hürden einfach noch zu hoch. Die öffentlichen Stellen, mit denen wir zu tun haben, sind sehr hilfsbereit und versuchen ihr Mögliches. Manchmal reicht das aber nicht. Da bin ich ganz ehrlich.

Das Problem besteht schon zu lange und manifestiert sich in vielen Bereichen. Umso wichtiger sind solche Projekte wie unsere, die eine enge individuelle Beratung und Begleitung von allen Akteuren vorsehen.

Kann das Konzept von „Kitas im Kiez“ und „Zukunft Kita“ auch in anderen Städten als Berlin funktionieren?

Franziska: Funktionieren kann das auf jeden Fall auch in anderen Städten. Zunächst würden wir uns aber freuen, dieses Projekt noch in anderen Bezirken oder berlinweit durchführen zu können. Das wäre aktuell der nächste Schritt. Wir sind für alles bereit.

Laura: Gerade die Online-Erweiterung in unserem Projekt bietet ganz viel Potential für eine Ausdehnung und geografische Flexibilität. Wir werden kontinuierlich auswerten, was gut und was schlecht funktioniert und was sich ausbauen lässt für weitere Projekte.

Die Projekte „Zukunft Kita“ und „Kitas im Kiez“ sind auf 3 Jahre angelegt. Wie blickt ihr in die Zukunft?

Franziska: Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber es macht unheimlich viel Freude. Insofern bin ich nur optimistisch und will noch das Maximale rausholen aus der verbleibenden Projektlaufzeit. Wer noch mit dem Gedanken spielt, ErzieherIn zu werden, möge sich gerne bei uns melden. Berlins Kinder brauchen euch!

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Franziska leitet seit März 2017 die pädagogische-konzeptionelle Gestaltung und Koordination der Teilnehmenden des Projekts „Zukunft Kita“, das in Steglitz-Zehlendorf angesiedelt ist. Das Projekt „Kitas im Kiez“ wird seit April 2018 von Laura geleitet und im Bezirk Treptow-Köpenick umgesetzt.

Links:
Kitas im Kiez: https://www.kitasimkiez.de/
Zukunft Kita: https://www.zukunft-kita.de/


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Tags Created with Sketch. Berlin Kinderbetreuung
Hannah Kappes | nebenan.de

Hannah Kappes arbeitet seit 2017 im Kommunikationsteam von nebenan.de. Zuvor war sie als Journalistin und Producerin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig.

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