Nachbarschaftshilfe

Coronahilfe aus der Nachbarschaft: Diese Geschichten machen Mut

Bild: Maximilian Goedecke

Seit mehreren Wochen legt das Coronavirus in Deutschland das öffentliche Leben lahm. Diese Nachbar*innen setzen sich für Miteinander und gegenseitige Unterstützung in der Nachbarschaft ein. Geschichten, die Mut machen.

Singen von Balkon zu Balkon

In Anlehnung an eine lang gepflegte Tradition ruft Christa aus Dortmund ihre Nachbar*innen zum gemeinsamen Singen auf. „Eigentlich machen wir das immer an Heiligabend“, erzählt Christa. „Wir treffen uns auf unseren Balkonen zum Innenhof und singen gemeinsam Weihnachtslieder.“

Nun hat sie ihre Nachbar*innen im Dortmunder Kreuzviertel bei der Nachbarschaftsplattform nebenan.de dazu aufgerufen, auch während der Corona-Krise gemeinsam vom Balkon aus zu singen. Ihre Initiative kommt gut an: 100 Nachbar*innen trafen sich am vergangenen Sonntag zum „COR-Singen!“

(screenshot: nebenan.de)

Bei der Liederauswahl stimmten sich die Nachbar*innen im Voraus bei nebenan.de ab. Ganz oben auf der Dortmunder „COR-Sing“-Playlist steht der BVB-Song „You’ll never walk alone“. „Passt ja auch in der aktuellen Situation“, findet Christa.

Um noch mehr Menschen zum Mitmachen zu animieren, verteilt Christa Handzettel in die Briefkästen im Kiez. Sie wünscht sich, dass bis zum Ende der Krise jeden Sonntag um 19:09 Uhr in den Innenhöfen Dortmunds gesungen wird:

"Gerne schief, gerne wild durcheinander – Hauptsache gemeinsam!"

Mund-Nase-Masken nähen für die Nachbarschaft

Christian aus München ist Helfer der ersten Stunde: In seiner Nachbarschaft Südlicher-Westpark gründete er bereits vor einigen Wochen bei nebenan.de die Gruppe „Hilfe bei Corona“. Das Ziel: Hilfsaktionen in Zeiten von Corona gebündelt koordinieren. Mittlerweile hat die Gruppe rund 170 Mitglieder. Die Nachbar*innen bieten zum Beispiel Hilfe beim Einkaufen oder diverse Botengänge an.

Mit tatkräftiger Unterstützung von seinen Nachbarn Janet und Franscesco hat Christian zahlreiche Hilfeaushänge zum Ausdrucken in der Nachbarschaft verbreitet. Gemeinsam haben sie eine private Hilfe-E-Mail-Adresse eingerichtet und Christian versucht auch telefonisch rund um die Uhr für seine Nachbarn erreichbar zu sein.

Ganz oben auf der Tagesordnung steht seit Neuestem: Mund-Nase-Masken nähen.

Aus einer großzügigen Stoffspende aus der Nachbarschaft stellt Nachbarin Janet die Masken her, die dann von anderen hilfsbereiten Nachbar*innen im Viertel verteilt werden. Versorgt werden auch Supermärkte, Apotheken und ein Orden.

Bei einer besonders großen Anfrage greift Janet auch mal auf alte T-Shirts oder Bettlaken zurück. Natürlich wird alles bei 90° gewaschen. Sie weist zudem darauf hin, dass die Mund-Nase-Masken eine Ergänzung darstellen, aber nicht ausreichend vor einer Infektion schützen.

Christian aus München (Bild: privat)

Aufräumaktion im Corona-Stil

Mit der besten Freundin gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen und füreinander da sein – trotz Corona? Ricarda aus Dortmund erzählt, wie das auch in Zeiten von Social Distancing möglich ist: „Meine Freundin Bozena und ich haben uns zum Spazierengehen verabredet und eine Aufräumaktion gestartet.“ Natürlich mit genug Abstand untereinander.

(Bild: privat)

Mit Müllsäcken, Gummihandschuhen und Greifzange bewaffnet haben sich die beiden in den nächstliegenden Park aufgemacht. „Es war herrlich und erschreckend zugleich“, berichtet Ricarda, „Massen an Müll, der teilweise direkt sichtbar und teilweise versteckt in den Büschen lag.“ Nach drei Stunden sind zwei Müllsäcke prall gefüllt.

Ricarda und Bozena sind müde, aber auch glücklich über ihren "Freundinnentag mal anders". Mit ihrer Aufräumaktion haben sie einen positiven Beitrag für die Natur geleistet und – Corona-korrekt – gemeinsam Zeit verbracht.

Die beiden haben beschlossen: Das machen wir ab jetzt öfter! Auch dann noch, wenn die Krise überstanden ist.

Bei nebenan.de teilt Ricarda ihre Freude über die Aufräumaktion mit ihren Nachbar*innen: „Zuspruch haben wir auch bekommen, manchmal war es ein einfaches Danke und geklatscht wurde auch.“

Mittlerweile finden sich bei nebenan.de viele ähnliche Beiträge von Nachbarn, die dazu aufrufen, der Natur etwas Gutes zu tun.

(screenshot: nebenan.de)

Digitale Konzerte für mehr Gemeinschaft auf Distanz

Daniel aus Lübeck will als Pianist in der Krise nicht untätig sein.  „Musik brauchen wir […] und verbindet uns unter Nachbarn.“ Daher möchte er für seine Nachbar*innen spielen. Bei der Umsetzung seines Plans muss er kreativ werden: Da sein Klavier nicht auf den Balkon passt, beschließt er seine Nachbar*innen bei nebenan.de zu einem digitalen Live-Wohnzimmerkonzert einzuladen:

(screenshot: Daniel Fritzen)

„Live ist's noch mal lebendiger“, schreibt Daniel auf nebenan.de. Nach einigen technischen Vorbereitungen kann es losgehen. Die Nachbar*innen sind begeistert und freuen sich über die musikalische Darbietung von Daniel. Er ist froh, dass er ihnen in Zeiten von Social Distancing eine Freude machen kann. Für ihn ist schnell klar: Es wird nicht bei einem Konzert bleiben!

Über Daniels Website können die Nachbar*innen nun täglich über den Livestream Chopin, Brahms und Schubert lauschen und ihn beim Spielen an seinem Wohnzimmerflügel beobachten. Die Bilanz nach den ersten Tagen: Rund 100 Zuhörende, viel Dankbarkeit und Ermutigung, dass er genau das Richtige tue.

Auf pianist-luebeck.de/live kannst du täglich um 18:00 Uhr Daniels Wohnzimmerkonzert verfolgen. Oder starte selber ein Online-Wohnzimmerkonzert und verwöhne deine Nachbarn mit deiner Musik.

Nachbarschaftshilfe in großer Runde

„Die Idee, eine Gruppe für Angebote und Gesuche von Hilfeleistungen zu gründen, entstand in der Zeit, als vereinzelte Hilfsangebote für Risikogruppen auf nebenan.de auftauchten“, erzählt Kerstin aus Hamburg. Engagierte Nachbarn boten Unterstützung beim Einkaufen, bei der Kinderbetreuung oder Apothekendienste an.

Da wurde es schnell unübersichtlich und hilfesuchende Nachbarn hatten es schwer, passende Angebote zu finden. Deshalb gründet Kerstin bei nebenan.de die offene Gruppe „Nachbarschaftshilfe in schwierigen Zeiten“, um alle Angebote zu bündeln.

Bei den rund 220 engagierten Nachbarn in der Gruppe werden Hilfesuchende und Hilfebietende mittlerweile schnell fündig. „So muss niemand lange auf Hilfe warten“, freut sich Kerstin. Auch für Menschen, die kein Internet haben, stellen Nachbar*innen stellvertretend Gesuche in die Gruppe ein.

Unter den angrenzenden Nachbarschaften haben sich schon Nachahmer gefunden: In Blankenese gründeten Nachbarn ebenfalls eine Corona-Hilfe-Gruppe.

(Screenshot: nebenan.de)

Kostenlose Hotline für Nachbarschaftshilfe

Um Hilfegesuche und Angebote bundesweit zu bündeln, hat die gemeinnützige nebenan.de Stiftung eine kostenlose Hotline für Nachbarschaftshilfe eingerichtet. Menschen, die in Zeiten von Corona für sich oder andere Hilfe suchen, können unter 0800 866 55 44 ihr Hilfegesuch aufgeben.

Das Gesuch wird ins geschützte Netzwerk unter nebenan.de/corona eingespielt und aktive Nutzer von nebenan.de, die im gleichen PLZ-Gebiet wohnen, können ihre Hilfe anbieten und telefonisch Kontakt aufnehmen.


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Rosanna Steyer | nebenan.de

Rosanna verstärkt das Kommunikationsteam seit März 2020 als Praktikantin. Sie studiert im Master an der Freien Universität Berlin und schloss zuvor ihren Bachelor im Fach Theaterpädagogik ab.