Bild: nebenan.de
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Frankfurter Nachbarschaft hilft ukrainischer Familie bei Neustart


Seit einem Monat wohnt die alleinerziehende Mutter Inna aus der Ukraine mit ihren beiden Kindern bei Alix und ihrem Freund Nils in Frankfurt. Die fünf erhalten dabei tatkräftige Unterstützung aus der Nachbarschaft – von Sachspenden bis Sprachunterricht.

Als Ende Februar der Angriffskrieg auf die Ukraine beginnt, sitzen Alix und Nils fassungslos vor dem Fernseher in ihrer Frankfurter Wohnung. „Es hat uns von Anfang an sehr schockiert und wir haben uns ohnmächtig gefühlt”, erinnert Alix sich. Als immer mehr Menschen aus der Ukraine nach Deutschland fliehen, beschließen die beiden, einer geflüchteten Familie eine Unterkunft anzubieten.

Unterstützung aus der Nachbarschaft

Dann geht alles ganz schnell. Über einen Kontakt in der Flüchtlingshilfe bekommt Alix am 6. März die Nachricht: In drei Stunden bringen kommt eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern bei dem Paar an!

Innerhalb von wenigen Stunden mussten wir die Wohnung fertig machen. Ich habe bei nebenan.de nach verschiedenen Sachspenden für die Familie gefragt, da sich unser Haushalt plötzlich von zwei auf fünf Personen vergrößert hat.
Beitrag von Alixia bei nebenan.de

Suche ein Bett für eine ukrainische Familie

Liebe Nachbarn,

wir hosten ab heute Abend eine ukrainische Familie (Mutter + 2 Kinder). Wir bräuchten für sie ein zusätzliches Bett (Gäste Klappbett, oder sowas) mit einer Matratze, einem Kissen und einer Decke. Sie bringen auch eine Katze mit. Hat jemand ein Katzen-Klo + Streu? Auch Katzen Futter für heute?

Es wäre toll, wenn wir das bis heute Abend abholen könnten. Es ist möglich, dass wir in den nächsten Tagen noch andere Dinge brauchen (Spiele für die Kinder...). Ich werde mich in diesem Fall noch melden. Ich danke euch herzlich für eure Solidarität und Antworten! Viele Grüße Alix

Auf ihren Beitrag bei nebenan.de erhält Alix zahlreiche kurzfristige Hilfsangebote: Innerhalb weniger Stunden bringen Nachbar:innen ein Kinderbett, Bettzeug, Katzenzubehör und viele weitere nützliche Dinge vorbei. Als sie und ihr Freund die dreiköpfige Familie am Abend am Bahnhof in Empfang nehmen, ist in der Wohnung alles vorbereitet.

Ich hätte das ohne die Hilfe aus der Nachbarschaft nicht geschafft – es hat sehr vieles leichter gemacht.

Die ersten Schritte im gemeinsamen Alltag

Nach den ersten Tagen fühlen sich die drei Geflüchteten schon recht wohl in ihrer neuen Bleibe. Alix Hund Alba hat sich schnell mit den beiden Kindern angefreundet und wird von ihnen mit Kuscheleinheiten verwöhnt. Mit Google-Übersetzer und Mimik und Gestik unterhalten sich Alix und Nils mit Inna und den Kindern und lernen sie besser kennen. So gewöhnen sich alle schnell an den neuen Alltag zu fünft.

Mit der Zeit hat sich eine neue Routine im Haushalt etabliert: „Wir kochen am Mittag und Inna kocht am Abend. Es ist ein neuer Alltag – aber in keiner Weise schlechter als zuvor, sondern sehr besonders und bereichernd”, erzählt Alix. Mittlerweile sind die fünf ein eingespieltes Team: Malen, Kochen oder Picknicken im Park nebenan – es ist immer etwas los.

Wir erleben so viele positive gemeinsame Momente in dieser schwierigen Zeit. Wir lachen so viel zusammen und sind jetzt schon Freundinnen geworden. Ich bin mir sicher, dass wir immer in Kontakt bleiben werden.

Außerdem unterstützt Alix Inna bei den bürokratischen Herausforderungen und begleitet sie zu Kontoeröffnung und anderen Behördengängen. Auch dabei erhält sie tatkräftige Unterstützung aus der Nachbarschaft bei nebenan.de: Eine Nachbarin, die Lehrerin ist, bietet ihre Hilfe beim Deutsch lernen und der Integration der Kinder in der nahegelegenen Schule an. Sie übernimmt auch die dafür nötige Abstimmung mit den Behörden. Alix ist von der großen Hilfsbereitschaft ihrer Nachbarschaft gerührt:

Seit einer Woche sind die Kinder jetzt in der Schule. Das wäre ohne die Nachbarin nicht möglich gewesen. Die beiden sind super glücklich über die neue Routine und den Kontakt zu anderen Kindern aus der Nachbarschaft.

Eine eigene Wohnung für Inna und ihre Kinder

Auch wenn Alix und Nils gerne mit Inna und ihren Kindern zusammenleben, ist allen bewusst, dass es sich nur um eine mittelfristige Lösung handelt. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einer eigenen Wohnung für die geflüchtete Familie. Nach einigen Besichtigungen können sie hoffen:

Mit etwas Glück können Inna und ihre Kinder ab Mai ihre eigenen vier Wände beziehen. „Der Vermieter will helfen und vielleicht können Inna und ihre Kinder einziehen, obwohl noch nicht alle Papiere zusammen sind. Er geht damit ein Risiko ein, aber das ist es ihm wert”, erzählt Alix. Die Wohnung ist zwar etwas weiter weg, aber trotzdem so nah, dass sie Inna und ihre Kinder regelmäßig sehen kann. Als die Kinder von dem möglichen neuen Zuhause hören, reagieren sie zunächst verhalten: „Sie waren erst traurig, weil sie uns nicht verlassen wollen. Als sie gehört haben, dass sie wenn dann erst in einem Monat umziehen, haben sie sich gefreut und uns umarmt!”

Unter den Sachspenden aus der Nachbarschaft sind auch viele Spielsachen für die Kinder
Unter den Sachspenden aus der Nachbarschaft sind viele Spielsachen für die Kinder dabei

Mit dem Umzug in die eigene Wohnung kommen neue Herausforderungen auf Inna und die Kinder zu. Alix und Nils wollen sie auch auf ihrem zukünftigen Weg begleiten und unterstützen – sei es bei der Einrichtung der neuen Wohnung, der Organisation von Fördergeldern oder anderen bürokratischen Angelegenheiten. Die fünf freuen sich darauf, dass ab Mai vielleicht wieder ein normales Leben für beide Familien mit eigenem Alltag möglich ist. „Auch für Inna ist es schön, wieder selbstständiger und nicht mehr so stark von uns abhängig zu sein”, erklärt Alix.

Um den Start für ihre ukrainischen Gäste in der eigenen Wohnung zu erleichtern, haben Alix und ihr Freund eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Auf der Spendenseite betterplace.org sammeln sie Geld für die ersten Monatsmieten und die Ausstattung der Wohnung.

Neuanfang in Frankfurt am Main

Mittlerweile ist auch Innas Mutter aus der Ukraine nach Frankfurt geflüchtet. Auch sie hat erstmal bei einer Familie Unterschlupf gefunden, die sich bereits für eine langfristige Wohnung für sie in Frankfurt einsetzt. „Wir treffen Innas Mutter regelmäßig – das tut den Kindern und Inna sehr gut”, erzählt Alix. Inna freut sich, ihre Mutter wieder in der Nähe zu haben. Durch die Unterstützung von Alix und Nils kann sie wieder etwas positiver in die Zukunft blicken. Dank ihnen hat ihre kleine Familie eine Perspektive in Frankfurt gefunden – ein neues Zuhause und neue Freundschaften:

Es sind schlimme Umstände und meine Kinder und ich hätten nie gedacht, dass wir trotzdem so eine schöne Zeit hier haben werden.

Willst du auch Geflüchtete beim Ankommen in Deutschland unterstützen?
Frage deine Nachbar:innen bei nebenan.de, wie und wo du helfen kannst.

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Johanna Meinel | nebenan.de

Johanna Meinel unterstützt das Kommunikationsteam von nebenan.de seit April 2018. Unter anderem beschäftigt sie sich mit Begegnungsformaten in der Nachbarschaft – online und offline.

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