Bild: nebenan.de
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Zwei Jahre Pandemie – nebenan.de Gründerin Ina Remmers blickt zurück


Am 22. März jährt sich der erste Corona-Lockdown in Deutschland zum zweiten Mal. Inwiefern hat sich das nachbarschaftliche Miteinander verändert? Und was ist von der anfänglichen Solidarität geblieben? nebenan.de Gründerin Ina Remmers gibt in diesem Interview Antworten.

Mit Beginn der Corona-Pandemie schlug die Stunde der guten Nachbarschaft: Gerade der Lockdown hat gezeigt, wie wichtig gut funktionierende nachbarschaftliche Beziehungen sind. nebenan.de, Deutschlands größtes Nachbarschaftsnetzwerk, verzeichnete mit Beginn der Corona-Krise eine Welle der Hilfsbereitschaft unter den Nachbar:innen. Doch was ist nach knapp zwei Jahren Pandemie noch übrig von der anfänglichen Solidarität? Darüber spricht Ina Remmers, Mitgründerin und Geschäftsführerin von nebenan.de, in diesem Interview:

Über 240.000 Neuinfektionen: Die ersten Wochen des Jahres sind geprägt von neuen Rekordwerten. Machen sich die steigenden Inzidenzen auch auf nebenan.de bemerkbar? 

Ina Remmers: Auf jeden Fall. Was wir aktuell beobachten ist, dass sich immer mehr Nachbar:innen in häuslicher Quarantäne befinden und auf nebenan.de konkret nach Hilfe fragen. Alleine im Januar 2022 gab es im Vergleich zum Dezember 2021 25 Prozent mehr Beiträge zum Thema Quarantäne auf der Plattform.

Viele Menschen befinden sich derzeit in häuslicher Isolation. Wie wirkt sich das auf den nachbarschaftlichen Austausch bei nebenan.de aus? 

Ina Remmers: Ähnlich wie zu Beginn der Pandemie ist das Thema Einkaufshilfe auf nebenan.de gerade sehr aktuell: Nachbar:innen, die sich derzeit in Quarantäne befinden, bitten ihre Nachbarschaft darum, für sie einkaufen zu gehen.

Oder um mal zwei weitere Beispiele zu nennen: Da ist eine Nachbarin aus Berlin, die sich in Quarantäne befindet und die gerade erst in ihre neue Wohnung gezogen ist – leider ohne voll funktionsfähige Küche. Über nebenan.de leiht sie sich von einem Nachbarn zwei elektronische Herdplatten, um sich eine Suppe kochen zu können.

Ein anderes Beispiel ist eine Mutter aus Hamburg, die sich mit ihren beiden Töchtern in Quarantäne befindet und der langsam die Ideen ausgehen, wie sie ihre Kinder beschäftigen kann. Über nebenan.de fragt sie nach Büchern, Puzzles oder Gesellschaftsspielen, die sie sich für die Zeit in Quarantäne ausleihen kann.

Im Jahr 2020 hast du von einer “Welle der Solidarität” in den Nachbarschaften bei nebenan.de gesprochen. Hält die große Hilfsbereitschaft unter den Nachbar:innen auch zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie noch an?

Ina Remmers: Nachbarschaftshilfe war auch schon vor der Pandemie ein zentrales Thema bei nebenan.de. Seit Ausbruch der Corona-Krise hat die Hilfsbereitschaft nochmal stark zugenommen. Das haben wir vor allem zu Beginn der Pandemie an der Anzahl an Hilfsangebote gesehen: Die war im März 2020 zehnmal so hoch wie üblich. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie viel Nachbar:innen gleich zu Beginn des ersten Lockdowns reagiert und ihren Nachbar:innen bei nebenan.de ihre Hilfe angeboten haben. Die Anzahl an Hilfsangeboten ist derzeit zwar geringer im Vergleich zum ersten Lockdown, allerdings bieten Nachbar:innen über nebenan.de nach wie vor ihre Hilfe an.

Gerade jetzt, wo die Corona-Zahlen fast täglich Rekordwerte erreichen und sich immer mehr Menschen in häuslicher Isolation befinden, Freunde oder Familie aber zu weit weg wohnen, steigt die Relevanz von guter Nachbarschaft ganz offensichtlich.

Wie hat sich die Pandemie auf das nachbarschaftliche Miteinander bei nebenan.de ausgewirkt?

Ina Remmers: Als klar wurde, dass uns die Pandemie deutlich länger beschäftigen wird, ging es vor allem darum zu überlegen, wie wir das nachbarschaftliche Miteinander neu gestalten können. Bei nebenan.de haben sich Nachbar:innen z.B. zu virtuellen Spieleabenden verabredet, Balkonkonzerte für ihr Viertel veranstaltet oder sich zum Spazierengehen getroffen.

Aktuell steigt die Hilfsbereitschaft unter den Nachbar:innen wieder an, jedoch beobachten wir auf der Plattform auch eine gewisse Pandemiemüdigkeit: Angebote virtueller Begegnungsformate nehmen wieder ab –  stattdessen organisieren sich Nachbar:innen über nebenan.de wieder so, dass sie sich sicher und unter Einhaltung der Corona-Regelungen offline treffen können. Nachbar:innen treffen sich zum Beispiel draußen, um gemeinsam Sport zu machen oder in kleiner Runde zum Stricken oder Spieleabend mit 2G plus Konzept.

Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wie Nachbar:innen gemeinsam versuchen, ihr Miteinander zu gestalten – auch nach zwei Jahren Pandemie und Abstand halten.

Was können wir als Gesellschaft von dieser Krise lernen?

Ina Remmers: Ich glaube, dass viele Menschen erkannt haben, dass die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft nicht ewig so weitergehen kann und dass wir letztlich doch mehr voneinander abhängig sind, als wir geglaubt haben – das hat die Corona-Krise deutlich gezeigt. Es ist wichtig, dass wir uns solidarisch verhalten und füreinander einstehen, denn nur gemeinsam schaffen wir es aus dieser Krise. 


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Vanessa Schultheiß | nebenan.de

Vanessa Schultheiß ist Mitarbeiterin der ersten Stunde und arbeitet seit November 2015 bei nebenan.de.Sie ist Teil des Kommunikationsteams und für die Pressearbeit zuständig.

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